DFB-Elf – Fehlerbehaftet auf hohem Niveau

Bundestrainer Joachim Löw wählt gegen die Niederlande eine vorsichtige Taktik, die deutsche Nationalmannschaft kassiert aber trotzdem vier Tore. Die DFB-Elf zeigt, dass ihr in der Defensive auf hohem Niveau zu viele Fehler unterlaufen.

Ein bisschen zu weit weg, ein bisschen zu spät, ein bisschen zu nachlässig – Tor, 2:4, den direkten Vergleich verloren. Das war für die deutsche Mannschaft dann ein bisschen blöd, denn so kommen doch leise Zweifel daran auf, dass die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 gelingen wird. Es dürften aber Scheinsorgen sein, denn der Spitzenreiter der Gruppe ist ein Scheinriese. Nordirland, am Montag (09.09.2019) Gegner Deutschlands, spielte bislang nur gegen die eigene Kragenweite oder schlechtere Mannschaften.

Solche Teams beherrscht die DFB-Elf, das zeigte die Vergangenheit. So kamen vor allem 14 Siege hintereinander zustande mit einer Tordifferenz von 58:7. Nun, bei der dritten Heimniederlage überhaupt in einem Qualifikationsspiel für ein großes Turnier, kassierte Manuel Neuer allein vier Tore.

Löw: Kein Qualitätsproblem in der Abwehr

Ob es ein Qualitätsproblem bei seinen Abwehrspielern gebe, wurde Löw nach dem Abpfiff gefragt. Nein, so der Bundestrainer, schließlich würden diese Spieler ihre Qualität Woche für Woche in der Bundesliga unter Beweis stellen.

Aber der Vergleich gegen eine Mannschaft mit dem vorzüglichen Mittelfeldstrategen Frenkie de Jong und einem gar nicht mal so herausragend besetzen Angriff mit Ryan Babel, Memphis Depay und Quincy Promes widerlegte Löw. Jonathan Tah hatte auf hohem Niveau wiederholt große Probleme mit schnellen, wendigen Spielern, Nico Schulz ist in der Offensive wertvoller als auf seinem dringlicheren Aufgabengebiet, selbst Niklas Süle verlor zum Ende der Partie häufiger die Orientierung.

Wie im Hinspiel beim 3:2-Sieg, als Deutschland nach einer 2:0-Führung unter starkem Druck der Holländer ins Wanken geriet und den Ausgleich erlaubte, verlor die Auswahl des DFB jegliche Kontrolle, als der Gegner selbstbewusst und zielstrebig nach vorn spielte.

Zu vorsichtige Linie?

Dabei hatte Löw – ebenfalls wie im Hinspiel, auf ein 3-4-3-System gesetzt, das bei gegnerischem Ballbesitz ein 5-2-3 war mit dem Augenmerk, das Zentrum zu verdichten. Die Niederlande wurden erst an der Mittellinie im Aufbau gestört, im Raum der Sechser Joshua Kimmich und Toni Kroos (erstaunlich aggressiv und stark im Zweikampf) sollte dann der Ball gewonnen werden. Das gelang in der ersten Halbzeit noch gut, nach der Pause verlor die deutsche Mannschaft ihre (vorsichtige) Linie, die etwa von Marco Reus als zu vorsichtig angesehen worden war. Der Dortmunder hatte sich mehr Ballbesitzanteile gewünscht und eine mutigere Herangehensweise. So seien die Wege zum niederländischen Tor nach Ballgewinn zu weit gewesen.

Quelle: ARD – Sportschau

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