Jeder fünfte Vollzeit-Beschäftigte im Kreis Erding arbeitet zum Niedriglohn

 

40 Stunden die Woche arbeiten – und trotzdem reicht’s am Monatsende nicht: Im Landkreis
Erding arbeiten rund 6.300 Vollzeit-Beschäftigte zum Niedriglohn. Damit liegt jeder fünfte
Arbeitnehmer

(21,4 Prozent) trotz voller Stundenzahl unter der amtlichen Niedriglohnschwelle
von aktuell 2.203 Euro brutto im Monat. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-GenussGaststätten mit. Die NGG Rosenheim-Oberbayern beruft sich hierbei auf Zahlen der
Bundesagentur für Arbeit. Geschäftsführer Georg Schneider spricht von einem
„Alarmsignal“. Tausende Menschen hätten trotz langer Arbeitstage enorme Probleme,
finanziell über die Runden zu kommen. „In Metzgereien, Bäckereien, Fastfood-Betrieben,
Restaurants und Hotels ist der Anteil von Niedriglohn-Beschäftigten dabei besonders hoch.
Hier müssen die Firmen endlich deutlich höhere Löhne zahlen“, fordert Schneider. Nach
Angaben der Arbeitsagentur liegen bundesweit 53 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im
Lebensmittel- und Gastgewerbe unter der Niedriglohngrenze.

Eine Hauptursache für diesen Zustand ist na

ch Einschätzung der Gewerkschaft NGG die
schwindende Tarifbindung. „Auch im Kreis Erding zahlen immer weniger Hoteliers und
Gastronomen nach Tarif. Statt mit dem Tariflohn von 13,34 Euro pro Stunde geht ein
gelernter Koch dann nur mit dem Mindestlohn von 9,19 Euro nach Hause. Wie soll man
damit eine Familie durchbringen?“, kritisiert Schneider. Um diesen Trend zu stoppen,
müssten sich Firmen, die Mitglied im Arbeitgeberverband sind, an die mit der
Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge halten und armutsfeste Löhne zahlen. Nach
Beobachtung der NGG nimmt die Zahl der Verbandsmitglieder, die aus der
Tarifgemeinschaft ausscheren, seit Jahren zu.

„Außerdem muss es noch mehr Tarifverträge geben, zu denen ganze Branchen durch die
Politik verpflichtet werden – gerade da, wo der Niedriglohnsektor wuchert“, so Georg
Schneider. Eine sogenannte Allgemeinverbindlichkeit könne vom Bundes- oder
Landesarbeitsministerium erklärt werden. Am Ende komme es aber auch auf die
Beschäftigten selbst an, betont die NGG. „Wer in der Gewerkschaft ist, hat nicht nur beim
Lohn, sondern auch bei Urlaub und Arbeitszeit die besseren Karten.“
Das durchschnittliche Vollzeit-Einkommen liegt im Kreis Erding laut Arbeitsagentur bei
3.030 Euro (brutto) im Monat – im Bundesschnitt sind es 3.304 Euro.